Geschichte

1952

Für eine erfolgreiche Ära fällt der Startschuss: Am 11. Februar wird die Papierfabrik Vreden GmbH gegründet. Nur einen Tag später erfolgt die Eintragung ins Handelsregister.

Initiatoren sind Otto Würth und Emil Muhl, die Geschäftsführer der Firmen Josef Straub und Söhne GmbH (Bräunlingen/Schwarzwald) und Wellpappenfabrik GmbH (Sausenheim/Pfalz). Und auch das Personal fürs Tagesgeschäft steht bereit. Erster Geschäftsführer ist Erich Wohlfahrt, erster technischer Betriebsleiter Theodor Brauckmann. Vreden bietet sich als Standort an, weil dort von der Lederfabrik Reerink Gebäude in passender Größe gemietet werden können. Laufzeit 25 Jahre. Von der Unterzeichnung des Vertrages an geht es gut voran. Bereits im Sommer wird mit der Montage einer Papiermaschine mit 160 cm Arbeitsbreite und Maschinen der Stoffaufbereitung begonnen. Für Strom ist ebenfalls gesorgt. Ein Dampfkessel mit Kohlefeuerung sowie eine liegende Kolben-Dampfmaschine mit Generator zur Stromerzeugung werden vom Vermieter übernommen.

1953

Die Montagearbeiten sind abgeschlossen und schon im Januar kann das erste Papier produziert werden - Wellenstoff für die Wellpappenindustrie. Die Firma muss jedoch auch die ersten Klippen umschiffen.

Vier Monate lang wird in der Strohpapierfabrik provisorisch Altpapier als Rohstoff eingesetzt, da die technischen Voraussetzungen für den Strohaufschluss erst im Mai geschaffen werden können. Als regelrechter Geniestreich erweist sich der Einbau eines Glättzylinders im Mai, durch den die Produktion fast verdoppelt werden kann. Statt 8.000 kg werden nun 15.000 kg Papier pro Tag produziert. Im Juli folgen die ersten Differenzen, die die Abberufung des ersten Geschäftsführers zur Folge haben. Neue Geschäftsführer werden mit Würth und Muhl die beiden Firmengründer. Die beiden müssen sich nun mit ersten Beschwerden des Vermieters und der Anlieger auseinandersetzen.

1954

Vor Gericht muss sich die neue Führungsriege verantworten - bis zum Freispruch.

Die Geschäftsführer Muhl und Würth sowie Betriebsleiter Brauckmann werden angeklagt, die Papierfabrik bisher ohne gewerbepolizeiliche Genehmigung betrieben zu haben. Nachdem sich das Amtsgericht Vreden für befangen erklärt, werden alle Beteiligten vom Amtsgericht Coesfeld freigesprochen.

1955

Zähes Ringen zahlt sich aus: Nach langen, teils spektakulären Auseinandersetzungen erhält die Papierfabrik Vreden nachträglich die gewerbepolizeiliche Genehmigung.

Betriebsleiter Theodor Brauckmann und Edwin Martin (Prokurist der Firma Straub Söhne in Bräunlingen und verantwortlich für die Buchhaltung der Papierfabrik Vreden) wird Gesamtprokura erteilt. Es folgt der erste Grundstückskauf von 8238 qm - unmittelbar an das bislang gemietete Gelände anschließend.

1956

Die Firma bekommt Zuwachs aus den eigenen Reihen. Dieter Brauckmann, Sohn von Betriebsleiter Theodor Brauckmann, tritt in die Firma ein. Er ist vom Fach, hat er doch sein Studium an der Fachhochschule München als Papieringenieur abgeschlossen. Darüber hinaus werden Klagen und Beschwerden von Anliegern vom Gericht abgewiesen.

1957

Auch baulich geht es voran. Auf dem neuen Firmengelände entsteht das erste eigene Bürogebäude.

Bislang wurde das alte Pförtnerhaus der Firma Reerink als Büro genutzt. Nun errichtet die Papierfabrik ein eigenes Gebäude, das eingeschossig ist und vier Räume umfasst. Auf dem Kriechboden entsteht ein "Archiv".

Fritz Würth, Sohn des Mitbegründers, mauert in einem Sandstein die Urkunde ein. Übrigens lernt er in Vreden seine spätere Ehefrau kennen.

1958

Als die erste mechanische Kläranlage der Stadt Vreden in Betrieb genommen wird, leitet auch die Papierfabrik ihre Abwässer ein.

Personell wird weiter aufgestockt. Im August tritt der Chronist als kaufmännischer Angestellter in den Betrieb ein. Weiterhin gibt es im Umfeld Beschwerden der Anlieger, die jedoch mangels Beweisen vor Gericht keinen Bestand haben.

1959

Das Jahr ist geprägt von Licht und Schatten: Dem einzigen tödlichen Arbeitsunfall der Firmengeschichte folgen große Fortschritte hinsichtlich der Produktion.

Am 5. März erleidet der 38-jährige Hofarbeiter Paul Dinter bei einem Sturz vom Strohdiemen tödliche Verletzungen. Es bleibt bis heute der einzige Unfall mit Todesfolge.

Positive Schlagzeilen bringt im Sommer die Inbetriebnahme der Papiermaschine 2, die ebenfalls auf dem eigenen Grundstück in einem entlang der Berkel errichteten Gebäude ihren Platz findet. Novum: Der Zugang zur Produktionshalle ist direkt vom Flur des Büros aus möglich. Und dort gibt es einiges zu beobachten, denn die Tagesproduktion erhöht sich auch 28.000 kg.

Nun strengt der Vermieter den ersten Prozess gegen die Papierfabrik an, in dem es um einen Streitwert von 2.200 DM geht. Er verlangt die Erstattung von Mehrprämien, die seine Feuerversicherung wegen des höheren Risikos der Nachbarschaft zur Papierfabrik erhebt. Weitere Klagen werden folgen.